Allerheiligengedanken

Heute ist Allerheiligen. Wie jedes Jahr war ich bei der Heldenehrung am Zeltweger Friedhof. Dort habe ich mir Gedanken über Kriegsverherrlichung, Soldatengräber und das Gedenken an die Toten gemacht.

Es ehrt unsere Zeit, daß sie genügend Mut aufbringt, Angst vor dem Krieg zu haben.

Albert Camus

Die Heldenehrung ist ein interessantes Spektakel. Die Werkskapelle spielt alte Soldatenlieder, der Pfarrer, der Kameradschaftsbund, die Feuerwehr, die Rettung, die Polizei und natürlich Vertreter des Bundesheers sind anwesend. Zum Schluss wird „Der gute Kamerad'“ gespielt und im Hintergrund wird geschossen. Man fühlt sich komisch, weil es immer diesen rechten Beigeschmack hat. Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, ist dieses Gefühl nicht gerechtfertigt.

 

Mit meinem Vater zur Heldenehrung gehen. Das ist bei uns Tradition. Mein Großvater musste im Zweiten Weltkrieg an der Front kämpfen und war viele Jahre lang in Gefangenschaft. Früher habe ich nicht verstanden, worum es bei der Heldenehrung geht.  Zwischendurch habe ich es dann eigentlich gar nicht gern gehabt, den „Krieg zu verherrlichen“.

Aber ist so eine Heldenehrung eine Kriegsverherrlichung? Nein, ganz und gar nicht, wie Albert Schweitzer bestätigt:

„Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens, und ihre Bedeutung als solche wird immer zunehmen.“

Wenn wir vergessen, der toten Soldaten zu gedenken, geraten die Kriege schnell in Vergessenheit. Und wenn die Fehler der Vergangenheit vergessen werden, werden sie früher oder später wiederholt.

Diese Soldaten haben außerdem zu einem großen Teil keine Wahl gehabt, sind in den Krieg getrieben worden. Der Kurator beim Schwarzen Kreuz, Peter Bärnthaler, meint:

„Das waren keine Helden. Es waren zumeist sehr junge Soldaten, die in grausamen Kriegen gefallen sind.“

Deshalb sind für mich die Heldenehrung, Allerheiligen und Allerseelen wichtige Traditionen geworden. Und ich möchte sie nicht missen.

Flickr-Foto von Pressebereich Dehner Garten Center

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4 Kommentare zu „Allerheiligengedanken

  1. Schöner Post, tolle Worte!
    Wir alle haben Verwandte verloren, Menschen die wir gar nicht kannten. Dennoch höre ich meiner Mama und auch meiner Großmutter gerne zu wenn sie erzählen. Wir versuchen es zu verstehen, uns irgendwie in die Trauer und in die Angst hineinzuversetzen… Doch wir haben keinen Vergleich, wir wissen nicht wie es sich angefühlt haben muss. Was uns bleibt ist die Hoffnung NIE solch dunkle Momente durchstehen zu müssen!

    Hast mir grad eine unterhaltsame Zugfahrt nach Klagenfurt bereitet!

    Gefällt mir

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