In der Mitte liegt die Kraft

Hausfrauen, Studenten, Politikverdrossene, Arbeitssuchende, Pensionisten, Polit-Aktivisten, Jugendliche, Angestellte, Beamte – was verbindet sie alle?  Sie wissen, dass etwas falsch läuft in der weltweiten Finanzpolitik. Und sie scheinen genug zu haben.

Ein Gastbeitrag von Michael Morgenbesser.

Ob nun „We are 99%„, „Occupy Wallstreet“ oder „Tag der Empörung“ – der Slogan war Nebensache an diesem internationalen Protesttag. Es ging darum, öffentlich seinen Unmut kundzutun. Von New York über Rom und Frankfurt bis nach Hongkong wurde somit am 15. Oktober 2011 mehr oder weniger zahlreich demonstriert. Ausgerufen und organisiert von der Plattform 25, war Graz ebenso Teil der globalen Protestwelle.

Stéphane Hessel war an diesem Samstag zu Gast in Graz. In seinem Essay „Empört Euch!“ plädiert er für Gewaltlosigkeit und ruft auf zum Widerstand gegen den Finanzkapitalismus. Dieses lediglich 14 Seiten füllende Pamphlet wurde in nur einem Jahr zu einer der wichtigsten Schriften der heutigen Protestkultur. Es bringt Ungleichheit auf den Punkt und wird so zum Katalysator des kollektiven Zorns auf die Machtlosigkeit gegenüber der Weltpolitik. Bereits mehr als eine Million Exemplare wurden gedruckt. Die Download-Zahl der .pdf-Datei liegen wahrscheinlich weitaus höher.

So ist es kein Wunder, dass die Rede von Stéphane Hessel am Mariahilfer Platz zu einem der Highlights an diesem Protesttag wurde. Dicht gedrängt standen die Interessierten vor dem provisorisch errichteten Podest und lauschte den Worten des freundlichen, ja, geradezu harmlos wirkenden, 94-jährigen Mannes. Doch seine gesprochenen Worte waren keineswegs harmlos.

In seiner Rede ruft Hessel dazu auf, sich zu informieren, sich zu engagieren und dabei zu kooperieren. Denn nur so könne man den „1%“, also jenen angeblich allmächtigen Personen, die über die restlichen 99 % der Weltbevölkerung entscheiden, Einhalt gebieten.

Das aus Personen verschiedenster Couleur bestehende Publikum honorierte die kurze Ansprache mit tosendem Applaus. Ob sich diese bunte Menge tatsächlich organisiert und aktiv, gemeinsam gegen die herrschende Politik vorgeht, wird die Zeit zeigen. Doch die eigentliche Errungenschaft der weltweiten Protestwelle liegt jedoch genau in dieser unterschiedlichen Zusammensetzung der Protestierenden.

Demonstrationen sind längst nicht mehr nur linken Polit-Aktivisten vorbehalten. Die Mitte der Gesellschaft scheint genug zu haben und ihre Stimme zu erheben. Nun liegt es an dieser Stimme, sich Gehör zu verschaffen.

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