Warum ich Vegetarier bin

Fleischessen ist für den Österreicher sehr wichtig. Viele sagen, es gehöre „zu unserer Kultur“. Deshalb werde ich sehr häufig entsetzt gefragt, warum ich denn Vegetarier bin.

Foto: schwein von Martin Abegglen

Manchmal ist es mir einfach zu blöd, meine eigene Entscheidung zu rechtfertigen. Ich muss es nämlich nicht jedem Mitmenschen auf die Nase binden, was für ein rücksichtsvoller Vegetarier ich doch bin. Außerdem, Zurückmissionieren kann mich niemand. Es versuchen trotzdem sehr viele. Ob ich den Speck nicht vermisse, ob mir der Schweinsbraten nicht abgeht? Nein! Natürlich hat es mir früher geschmeckt. Ich habe es 19 Jahre lang gegessen, ohne über meine Ernährung nachzudenken. Jetzt kann ich aufgrund meiner Überzeugung aber gerne darauf verzichten. Ich vermisse Fleisch und Fisch kein bisschen. Die Frage, warum ich Vegetarier bin, stelle ich mir jetzt einmal selbst. Ich will reflektieren, warum genau ich mich entschieden habe, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. (Wem’s zu lang ist, unten gibt’s eine schnelle Zusammenfassung.)

Zu Beginn – vor  etwa einem Jahr – war ich dem Vegetarismus gar nicht abgeneigt. Ich war nur zu faul und zu feig, es endlich durchzuziehen. Ich konnte es mir nicht vorstellen, keinen Schweinsbraten und keinen Speck mehr zu essen. Als ich dann im Jänner 2010 zu meinem Zivildienst und kurze Zeit später zur Band Gnackwatschn gekommen bin, habe ich einige überzeugte Vegetarier kennengelernt. Erst als ich direkt damit konfrontiert wurde, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht. Ich habe zu viele Gründe gefunden, um weiterhin mit gutem Gewissen Fleisch und Fisch zu konsumieren. Von einem Tag auf den anderen habe ich aufgehört. Seit dem hatte ich erst zwei „Rückfälle“. (Na, wer weiß schon, dass Gulasch nicht vegetarisch ist.)

33 Leute in meiner 33 Quadratmeter-Wohnung

Fastfood-Ketten werben häufig mit „österreichischem“ Fleisch. Das hat mich interessiert. Denn österreichische Tiere werden angeblich sehr gut behandelt. Ein Qualitätsindiz ist zum Beispiel das AMA-Gütesiegel. Also habe ich recherchiert, wie Schweine gehalten werden, deren Fleisch mit diesem Gütesiegel ausgezeichnet wird (Die Richtlinien). Eine Sau mit mindestens 110kg muss den Daten zufolge mindestens einen Quadratmeter Platz haben. Ein Quadratmeter? So soll ein Schwein normal gehalten werden? Ich stelle mir gerne einen Menschen mit mindestens 110kg vor, der sein Leben auf dieser Fläche verbringt. Oder meine 33 Quadratmeter-Wohnung, in der 33 Menschen gleichzeitig wohnen. Für mich ist das unverstellbar und einfach nicht richtig. Und das ist sogar noch die anerkannte und ausgezeichnete Tierhaltung.

Die Massentierhaltung

Massentierhaltung ist ein Verbrechen. Der Mensch ist kein besseres oder wertvolleres Lebewesen. Er darf Tiere nicht auf diese Weise quälen, sie hochzüchten und dadurch lebenslange Qualen bereiten, ihnen mit Antibiotika vermischtes Futter geben, sie nicht ans Tageslicht lassen, ihnen jegliche Lebensgrundlage entziehen und sie nur knapp am Leben erhalten.

Wahrscheinlich ist das Thema aber schon so abgelutscht (schönes Wort). Immer wieder kommt Massentierhaltung in den Medien vor. Ein paar Mal im Jahr gibt es Autoren, die ein wenig Aufmerksamkeit mit ihren Bücher erzeugen, wie Jonathan Safran Foer oder Karen Duve. Die Menschen fangen dann an, über ihre Ernährung nachzudenken, und zwar eine gewisse Zeit lang (Meiner Schätzung nach zwischen sechs Stunden und zwei Wochen). Dann ist wieder alles vergessen. Man muss seine Taten überdenken. Welche Konsequenzen haben sie? Kann ich etwas in meinem Leben ändern? Verdrängen kann auch ich sehr viel. Beim Vegetarismus geht es mir zum Glück nicht so.

Warum kein Bio?

Wenn die Massentierhaltung so schlecht ist, warum schaffen wir sie nicht einfach ab? Nur noch Bio wär doch besser, oder?

Weil es unmöglich ist, alle Menschen, die zurzeit Fleisch essen, auch wirklich mit Biofleisch zu versorgen. Es geht sich einfach nicht aus, besonders nicht bei dem rapiden Anstieg der Weltbevölkerung. Es würde sich für die Bauern niemals rechnen. Niemand ist bereit, so viel für das Hauptnahrungsmittel auszugeben. Die Bio-Tierhaltung würde außerdem – zwar weniger, aber trotzdem viel – Treibhausgase verursachen. Sie braucht nämlich mehr Platz, wodurch auch mehr Wälder gerodet werden müssten.

Umweltgründe gibt’s natürlich auch

Fleisch

Es „stammen rund 14 Prozent aller weltweiten Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft. Rechnet man die Folgen hinzu, die aus so genannten Landnutzungsänderungen entstehen, wenn zum Beispiel tropische Wälder für Ackerland und Weiden gerodet werden, trägt der Agrarsektor sogar zu einem Drittel zur globalen Erwärmung bei.“ Artikel

Wer also Wert auf die Umwelt legt, kann mit Weniger-Fleischessen einen guten Beitrag leisten.

Fisch

„Der Fischbestand in den Weltmeeren wurde seit 1900 durch die kontinuierliche Überfischung massiv reduziert, Forscher gehen von einem Rückgang von 90 bis 95 Prozent aus. In Einzelfällen, etwa bei großen (zwischen 16 und 66 Kilogramm schweren) Fischen in der Nordsee, ist die Situation noch dramatischer. Laut Berechnungen würden in dieser Gewichtsklasse 100 Mal mehr Fische existieren, wenn es im nordeuropäischen Schelfmeer keine Fangindustrie gäbe.“ Text

Wer also Wert auf unsere Meere legt, kann mit Weniger-Fischessen einen guten Beitrag leisten.

Die Kurzfassung

Ich bin Vegetarier, weil ich es als unnötig erachte, Tiere zu töten, nur damit ich ein Geschmackserlebnis habe. Die Industrialisierung der Tierhaltung ist für mich ein Verbrechen. Wenn jeder Fleisch isst, muss es sie aber geben, besonders weil die Weltbevölkerung stark ansteigt. Die Biodiversität in den Meeren könnte aufrechterhalten werden, wenn wir endlich auf Fisch verzichten ( zumindest teilweise). Weniger Viehzucht auf der Welt würde den Ausstoß von Treibhausgasen um Einiges verringern und stark zum Klimaschutz beitragen.

Jetzt habe ich meinen Vegetarismus reflektiert. Ich bin noch überzeugter als vorher.

Zum Schluss stellt sich mir nur noch die Frage: Warum bin ich kein Veganer? Das wird mein nächster Post. Vielleicht kommen dort noch ein paar Gründe dazu. Ich hab hier nämlich ein wenig gekürzt.

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3 Kommentare zu „Warum ich Vegetarier bin

  1. Die Gründe, die du für deinen Vegetarismus anführst stimmen natürlich alle.

    Fakt ist jedoch auch, dass die meisten Tiere der Massentierhaltung durch die Milch- und Ei-Produktion geschlachtet werden. Deswegen sollte die logische Konsequenz aus deinen Reflektionen eine vegane Lebensweise sein.

    Der Umstieg mag zwar relativ hart erscheinen, nach einer kurzen Umgewöhnphase ist es jedoch locker machbar. Außerdem gibt es genügend freundliche Veganer, die einem gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen 😉

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