Die Braune Maja

Ganz ehrlich: Ich hab gar nicht gewusst, wie alt die Biene Maja eigentlich ist. Ihr 100. Geburtstag wird bald gefeiert. Waldemar Bonsels hat die zwei Romane in den 1920ern veröffentlicht. Die Zeichentrickserie gibt es seit 1975. Sie wurde in Japan gemacht. Viele Charaktere wie Willi, die faule Honigbiene,  oder Flip, der Grashüpfer, sind in den Büchern gar nicht vorgekommen. Die Serie hat uns trotzdem viele Kindheitserinnerungen beschert.

Doch wie’s aussieht, war Biene Majas Erfinder, Waldemar Bonsels, Antisemit. Sein Lebenslauf war bis vor kurzem nicht ganz klar. Deshalb hat der Literaturwissenschafter Sven Hanuschek von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München die Geschichte des Autors genauer untersucht. Er hat einige interessante Details gefunden.

Eigener Roman für Nazis

Besonders Bonsels Roman „Dositos“ aus dem Jahre 1942 ist Sven Hanuschek  ins Auge gestochen. Das Buch wurde nur 100 Mal gedruckt, für Freunde und bekannte Nazisgrößen. Im Vorwort schrieb Bonsels: „Der gewaltige und gewaltsame Anstoß, der auch auf diesem Gebiet durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden ist, erschütterte nicht nur das Judentum, sondern naturgemäß zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt.“ Für die Neuauflage nach dem zweiten Weltkrieg mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren wurde diese Textstelle gelöscht.

Ein kurzfristiger Sinneswandel

1932 soll Bonsels noch zwei SA-Männer aus einer Vorlesung geworfen haben, weil sie meinten, er würde Werbung für „die Juden“ machen. Einige seiner Bücher wurden sogar wegen erotischer Erzählungen verbrannt. Viele kamen auf den Index. Wie es scheint, versuchte er dann zu zeigen, „was er doch für ein guter Antisemit sei“, schreibt Sven Hanuschek in seinen Untersuchungen. Anscheinend hat er das auch geschafft. 1935 standen alle seine Romane auf dem NS-Index, 1938 wurden sie alle freigegeben.

Bedenken? Nein!

Ich finde das aber gar nicht bedenklich. Denn die Geschichte selbst vermittelt ganz andere Werte, wie den Freiheitsdrang der kleinen Biene, die nicht ins System integriert werden will. Also genau genommen wird das Gegenteil dargestellt. Ich würde meinen Kindern diese Serie niemals vorenthalten, nur weil ihr Erfinder 20 Jahre, nachdem er Biene Maja erfunden hat, Antisemit wurde. Sie hat wahrscheinlich auch meinen Freiheitsdrang geprägt und mich immer wieder unterhalten. Außerdem hat die japanische Serie das Buch völlig verdrängt. Nur die Grundidee und gewisse Charaktere sind behalten worden.

Quellen: sueddeutsche.de, diepresse.com, Waldemar-Bonsels-Stiftung

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