Die katholische Meinung zu Buddha

Was hält die katholische Kirche vom Buddhismus? Lassen sich die Religionen verbinden? Oder ist das sowieso nur eine Modeerscheinung? Ich habe ein Interview mit Mag. Gerhard Weber geführt. Der Experte für Weltanschauungsfragen im bischöflichen Pastoralamt in Graz hat mir einige Fragen zum Thema Buddhismus beantwortet.

Foto: Leh/Ladakh 2005 by Patrik M. Loeff

 

Warum treten Katholiken zum Buddhismus über?

Mag. Gerhard Weber: Religiös suchende Menschen finden gerade bei Meditation und verschiedenen Meditationspraktiken genau das, was sie suchen. Und das muss man auch zur Kenntnis nehmen. Andererseits muss man auch realistisch sagen: Wenn es natürlich eine Zunahme des Buddhismus in Österreich gibt, ist es nach wie vor eine relativ kleine buddhistische Glaubensgemeinschaft in Österreich. Da muss man nach wie vor die Relationen sehen.

Natürlich ist diese Seite der Meditation, der Exerzitien und der Besinnung  in der christlichen Tradition gerade bei uns in letzter Zeit zu kurz gekommen.

 

Heike Bucher vom Buddhistischen Diamantweg-Zentrum in Judenburg hat mir das so erklärt: Es gibt das Dual-Prinzip und das Ursache-Wirkung-Prinzip. Das Dual-Prinzip basiert auf zwei Ebenen, nämlich auf Gott und mir selbst. Und das zweite ist praktisch der Buddhismus, das Kharma. Ich tue Gutes, damit mir Gutes geschieht.

Glauben Sie, dass da gewisse Voraussetzungen bei einem Menschen vorhanden sein müssen, damit er sich für Katholizismus oder Buddhismus entscheidet?

Weber: Grundsätzlich muss man es so sehen, dass ein Mensch in eine gewisse Tradition hineingeboren wird. In unserem Kulturkreis ist das Christentum stärker, in buddhistischen Ländern ist es die buddhistische Lebensweise. Da gibt es unterschiedliche Voraussetzungen. Die Kulturen selbst sind aber auch von bestimmten Religionen geprägt.

Das Ursache-Wirkung-Prinzip haben wir auch in einer gewissen Weise im Alten Testament. Es ist jetzt nicht direkt Ursache-Wirkung, aber der ‚Tun-Ergehen-Zusammenhang’. Was ich tue, hat eine bestimmte Wirkung oder Konsequenz.

Der Dualismus, den Sie angesprochen haben, zwischen Gott und dem Mensch ist ein scharfer Dualismus. Gut und Böse, Schwarz und Weiß, Gott und Mensch. Das wird den Christen auch häufig unterstellt. Aber wenn man jetzt schon rein die Trinitätslehre anschaut, dann durchbricht das diesen Dualismus. Da geht es um Beziehung, nicht um Verschmelzung.

Interview mit Heike und Gerhard Bucher vom Diamantweg Buddhismus-Zentrum in Judenburg

 

Wenn man diese beiden Prinzipien betrachtet: Kann man Buddhismus und Katholizismus verbinden?

Weber: Das ist jetzt eine schwierige Frage. Wenn man es aus einer rein theologischen oder dogmatischen Sicht sieht, von ihren äußeren Lehren her, dann gibt’s durchaus Gemeinsamkeiten und natürlich wesentliche Unterschiede. Gerade der Glaube an einen Gott und an die Schöpfung ist im Buddhismus kein Thema.

Der Buddhismus sieht sich selbst schon als Religion. Es gibt einen Gründer, eine Gemeinde, Regeln, heilige Schriften. Deshalb ist der Buddhismus als eine Religion und nicht als Philosophie zu betrachten.

Die Gründer, Jesus Christus und Buddha, haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Ich denke, das zieht sich im Prinzip in der ganzen Religionsgeschichte beider Religionen durch. Es gibt aber so etwas wie eine Verbindung, als Christ den Buddhismus zu leben. Das ist eine Interpretationssache des Jeweiligen, der in beiden Religionen eine Heimat gefunden hat. Ich glaube sehr wohl, dass es diese doppelte Einbindung eines Menschen in beide Religionen gibt.  Das berichten auch Leute, die sehr stark vom Zen-Buddhismus beeinflusst sind.

Da gibt es Leute wie Pater Lassalle oder Thomas Merton, die in der Begegnung mit dem Buddhismus ihr Christsein neu entdeckt haben. Und umgekehrt gibt es ähnliche Beispiele ebenfalls. Das war ein fruchtender interreligiöser Dialog, aber nur in der Erfahrung, nicht auf der Ebene des theologischen Diskurses.

Was den Bereich der Meditation anlangt: Hier gibt es anscheinend sehr ähnliche Erfahrung zwischen buddhistischen und christlichen Meditierenden. Einen markanten Unterschied sehe ich in der Meditation, dass bei Christen ein Gegenüber als Jesus Christus oder Gott da ist, auf den sich die Meditierenden beziehen. Aber das Aufmerksamsein und die Erfahrung der Gegenwart hat offensichtlich bei allen Meditierenden gleiche Effekte.

Es gibt auch christlich-buddhistische Meditationsgruppen, die miteinander meditieren. Da wird zwar nicht auf das gleiche hin meditiert, aber man versucht, Wirkungen auszutauschen. Da kommt man durchaus auf gleiche Ergebnisse.

 

Wie steht die katholische Kirche zum Buddhismus?

Weber: Grundsätzlich halten wir uns daran, was die Kirche im zweiten Vatikanischen Konzil mit dem Konzilsdokument „Nostrae Aetate“ gesagt hat. Hier ging es um die Verhältnisbestimmung der katholischen Kirche zu den anderen Religionen. Da wird auch den buddhistischen und hinduistischen Traditionen Achtung und Werschätzung entgegengebracht. Es bekennt, dass Menschen in anderen Religionen zum Heil kommen können, ohne aber den eigenen (christlichen) Anspruch und Glauben aufzugeben.

Das würde ich als gelungene Toleranz bezeichnen. Wir versuchen, das auch so zu leben.

Wenn uns zwar in der Lehre viel unterscheidet, gibt es vieles, das uns eint, gerade bei ethischen Fragen im Umgang mit Menschen oder Natur. Es gibt auch im Buddhismus Lebensregeln, die Silas, die mit unseren Geboten verglichen werden können. Da geht es nicht nur bloß um die Aufstellung von Geboten und Verboten, sondern darin steckt auch die Freiheit jedes Menschen.

 

Finden Sie, dass der Buddhismus im Westen so etwas wie eine Modeerscheinung ist?

Ich würde das nicht sagen. Es ist in einer gewissen Weise für religiös suchende Menschen ein modernes, alternatives Angebot. Als bloße Modeerscheinung würde ich es nicht hinstellen, denn Moden vergehen wieder. Buddhismus ist ja eine Weltreligion mit dem Anspruch, wahrgenommen zu werden. Gerade in unserer Zeit voller Hektik, Trubel und Leistung ist der Buddhismus eine moderne Erscheinung, weil er Methoden der Besinnung, der Achtung und Aufmerksamkeit lehrt.

Der Buddhismus hat ein Angebot, das besonders gestresste Menschen hier im Westen anspricht. Er wird sich sicher auf noch höherem Niveau etablieren, als es bisher der Fall ist.

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Ein Kommentar zu „Die katholische Meinung zu Buddha

  1. Warum sagt dann die ev. Kirche, die sich ja unter den Christen zählt: Eine Buddha Figur auf einem Grab, das sich auf einem ev. Friedhof befindet, muss weck? Unser Sohn, der vor 9 Monaten tödlich verunglückt ist, hat diese Figur von seinem Partner als Geschenk zu Weihnachten auf das Grab gestellt bekommen. Mein Sohn war gläubiger Katholik, muss er jetzt auch umgebettet werden? Hat man im Tod noch nicht mal seine Ruhe? Dieser Vorfall lässt mich meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der kath. Kirche niederlegen. Eine Instuition brauche ich für meinen Glauben nicht! Vllt. wäre es jetzt an der Zeit, intensiv über den Buddhismus nachzudenken und auch zu leben, dann hat man mit solchen dummen Verboten nichts am Hut!

    LG und Gottes Segen

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